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Sonderschau zum Thema Sterben stieß auf ein überraschend großes Interesse

Den Tod mit ins Leben nehmen

Bad Sooden-Allendorf.

Auf ein überraschend großes Interesse ist eine Sonderschau zum Thema Tod und Sterben gestoßen. Der Geschäftsführer des Bestattungsunternehmens Halbritter, Dirk Hochapfel, und der örtliche Hospizdienst hatten es zusammen mit einem Steinmetzbetrieb und einem Floristikunternehmen an zwei Tagen in der Ladenpassage Ilkenhans im Herzen der Allendorfer Altstadt veranstaltet.

Mutig: Mit ihrer Ausstellung zu Tod und Sterben stießen Bestattungsunternehmer Dirk Hochapfel und Hospizdienst-Leiterin die Diskussion um ein Tabu-Thema an. Foto: Cortis

Zwar sei in wenigen Fällen bei den Besuchern auch Schwellenangst spürbar gewesen, die meisten jedoch hätten sich dem Tabu-Thema mit bemerkenswerter Offenheit zugewandt, bilanzierten Dirk Hochapfel und Hospizdienst-Leiterin Andrea Umbach.

Wie es nach einem Sterbefall in der Familie weiter geht, was im einzelnen zu tun sei, darüber machten sich viele Angehörige erst Gedanken, wenn es soweit sei, spricht Dirk Hochapfel aus Erfahrung. Und genau deshalb wolle man das oft verdrängte Thema Tod und Sterben mit ins Leben nehmen, ergänzte Andrea Umbach, die mit der selben Thematik schon in der Grundschule zu Gast war und Kinder deren Gedanken dazu in Bildern festhalten ließ. Die waren in der ungewöhnlichen Ausstellung ebenso zu sehen, wie Särge von der einfachen bis zur Luxusausführung, Urnen in allen Farben und Variationen, Steinmetzarbeiten, Kerzen- und Blumenschmuck.

In kurzen Vorträgen und Einzelgesprächen ging es an den zwei Tagen vor allem um Patientenverfügungen und Bestattungsvorsorge, womit den Angehörigen im Trauerfall eine große Last abgenommen werde, wie Dirk Hochapfel weiß. Bis ins kleinste Detail lasse sich schon vor dem Tod alles regeln, von Beschaffenheit und Preis des Sarges oder der Urne bis hin zur Liste der zu ladenden Trauergäste. Zu diesem Themenkomplex gebe es immer mehr Anfragen.

Kooperation wird fortgesetzt

Ihre Zusammenarbeit zum Thema Tod und Sterben wollen Hospizdienst und Bestattungsunternehmer nach eigenem Bekunden fortsetzen. Als nächsten Schritt haben sie Vortragsveranstaltungen nicht nur für die ältere, sondern gerade auch für die jüngere Generation im Auge. Denn, so sind sich Andrea Umbach und Dirk Hochapfel einig: „Je früher sich die Menschen mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen, desto eher wird das Tabu gebrochen.“ (zcc)


Werra-Meißner:

Große Resonanz auf dem 5. Hospiz- und Palliativtag

Artikel aus Lokalo.de


Informierten die Besucher über ihre Arbeit: Anita Stassen (3.v.li.), Andrea Umbach (2.v.r.) und Martha Zimmermann von den Hospizdiensten im Werra-Meißner-Kreis. Fotos: Wernhardt 


Werra-Meißner/Bad Sooden-Allendorf. „Wenn nichts mehr zu machen ist, können wir noch viel tun“. Der Satz fasse die Hospiz- und Palliativarbeit gut zusammen, sagte Brigitte Kiese, Vorstand des Hospiz- und Palliativnetzes Werra-Meißner (HPNWM). Sie eröffnete im Kongresszentrum Bad Sooden-Allendorf den 5. öffentlichen Hospiz- und Palliativtag.
Selbst wenn keine Heilung mehr möglich sei, könne man Symptome lindern und den sterbenden Menschen ihre letzten Wünsche erfüllen. Zudem sei es wichtig, Angehörige im Umgang mit Krankheit und Tod zu unterstützen, diese miteinander zu vernetzen – und manchmal auch vor Überforderung zu schützen.
So umfasse die Hospiz- und Palliativarbeit den gesamten Prozess von der Krankheit über den Tod bis hin zur Trauerarbeit.
Qualifizierung für Helfer
Fast fünf Jahre nach Einführung des Rechtsanspruchs auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) verfügt  das Netz über ein qualifiziertes Team aus
Palliativmedizinern, Palliativ-Care-Pflegefachkräften und ehrenamtlichen Hospizbegleitern, flankiert von etlichen sozialen Einrichtungen. Sie alle decken die Bedürfnisse von Menschen in der letzten Lebensphase und und die der Angehörigen ab. Zusätzlich biete das HPNWM Qualifizierungen für Fachkräfte zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer an, so Kiese.
Nachdem Karl-Heinz Schäfer in Vertretung von Landrat Stefan Reuß, Staatssekretär Dr. Wolfgang Dippel für Sozialminister und Schirmherr Stefan Grüttner sowie Bad SoodenAllendorfs Bürgermeister Frank Hix Grußworte gesprochen hatten, leitete der Vortrag von Martina Kern vom Zentrum für Palliativmedizin am Malteserkrankenhaus Bonn, die Tagung ein.
Die Lebensuhr läuft ab – eine Schülerarbeit.  
Vom Defizit zur Hilfestellung
Die Sterbebegleitung habe sich ursprünglich aus aus den Defiziten im Gesundheitswesen herausgebildet, erläuterte Kern. Das Thema Sterben sei ein Tabu gewesen und die Palliativ- und Hospizbewegung habe sich zum Ziel gesetzt, Menschen in der letzten Lebensphase ein Sterben in Würde zu ermöglichen. „Hinzu kam letztendlich eine weitere Fülle von Themen“, so die Referentin. Die Beratung und Begleitung von Angehörigen sowie die Bildung von Netzwerken seien von Anfang an immens wichtig gewesen.
Auf Augenhöhe helfen
Die Mitarbeiter in der Palliativmedizin hätten in den vergangenen Jahren gelernt, den Kranken und Sterbenden auf Augenhöhe zu begegnen und deren Wünsche zu respektieren. So berichtete sie von einer Patientin, die starke Raucherin gewesen war und auch in der Palliativstation des Krankenhauses rauchen wollte. Sie war jedoch so schwach, dass ihr die Zigarette häufiger entglitt. „Und so bastelten die Pflegerinnen und Pfleger eine Art Halterung mit einem Schlauch zum Inhalieren“, erzählte Kern. Sie ergänzte, dass dies zwar nicht ganz
geklappt hätte, jedoch sei der ,Prozess’ des Unterstützens ein wichtiges Element der Begleitung gewesen.
„Nicht alle Probleme sind lösbar“, so Kern. „Die meisten sind es nicht, denn am Ende steht der Tod – unausweichlich.“
 
Referentin Martina Kern im Gespräch mit Besuchern des Hospiz- und Palliativtages.  
Wie wichtig ein ganzes Netzwerk sein kann, veranschaulichte sie an Hand eines weiteren Beispiels. Hier wünschte eine Krebspatientin Linderung ihrer Beschwerden – heraus kam, dass es viele Baustellen in ihrem Leben gab, die es zu bewältigen galt: Die Versorgung ihrer Kinder, Instandhaltung der Wohnung, hohe Schulden und vieles mehr. „Raten Sie mal, wieviel Institutionen zuletzt involviert waren?“, fragte Kern ins Publikum.  Dass es insgesamt 18 waren, erriet niemand. „Sind so viele Hände“, zitierte Kern einen bekannten Text.
Aber auch die Helfer bräuchten Hilfe, schnitt die Referentin ein weiteres Thema an. „Sie kommen oft in Konflikte, wenn ein Mensch Sterbehilfe verlange – oder sie sind ausgelaugt.“ Durch das Netzwerk und den gegenseitigen Austausch werden auch sie gestützt.
Nach einer Kaffeepause folgten noch weitere Fachvorträge, die den ganzen Tag über Gelegenheit zum Austausch gaben. Im Foyer des Kongresszentrums informierten Aussteller aus der Region über ihre Arbeit, Produkte  und Dienstleistungen zu dem Thema.
Das Netzwerk
Dem Hospiz- und Palliativnetz Werra-Meißner gehören an: Haus- und Fachärzte, Palliativmediziner, Pflegedienste und Pflegeheime, Hospizdienste, therapeutische

Werra-Meißner: Große Resonanz auf dem 5. Hospiz- und Palliativtag
Von Helga Wernhardt am 4. November 2016 | Kategorie(n): LokalesWerra Meißner  Artikel aus Lokalo.de