hospizdienstbsa.de
... Selbstbestimmung ist das Grundprinzip des Lebens.

Hospiz macht Schule

Grundschul-Kinder können in Projektwoche Abschiednehmen durch Sterben und Tod kennenlernen

28.09.17 07:50

Sie arbeiten mit den Grundschülern: Projektleiterin Martha Zimmermann (links) und Andrea Umbach von der Hospizgruppe Bad Sooden-Allendorf sind zwei der Ehrenamtlichen, die als Team das Projekt „Hospiz macht Schule“ anbieten. Während der Projektwoche in der Grundschule malen die Kinder unter anderem auch, wie sie sich Tod und Sterben vorstellen.© Forbert

Werra-Meißner. Der Hospizdienst Bad Sooden-Allendorf bietet jetzt das Projekt „Hospiz macht Schule“ an. Eine Woche lang bringen speziell ausgebildete Ehrenamtliche Dritt- und Viertklässlern das Thema Sterben und Tod näher. Und es geht darüber hinaus: um Leben, um Veränderung, um Verlust.

 Ist Abschiednehmen durch Sterben und Tod ein Thema für Kinder? „Durchaus“, sagt Andrea Umbach. „Kinder erleben viele Abschiede, begegnen Sterben, Tod und Trauer im Alltag“. Dazu gehört, wie die Koordinatorin vom Verein Hospizdienst und Demenzbetreuung Bad Sooden-Allendorf aufzählt, der Tod der Großeltern, aber auch von Kindern aus der Klasse oder im Fernsehen in Filmen und Nachrichten, ebenso der Tod eines Haustieres und das Verwelken einer Pflanze. Und mit Verlusten haben auch der Wechsel vom Kindergarten in die Schule, ein Umzug und die Trennung der Eltern zu tun.

Heutzutage möchten die Erwachsenen die Kinder vor schmerzlichen Erfahrungen bewahren. Es sei aber wichtig, dass Kinder auf ihre Weise begreifen, dass zum Leben auch Veränderung, Verlust und der Tod gehören, sagt Martha Zimmermann. „Rituale, ehrliche Anteilnahme, Gespräche über Vorstellungen und Befürchtungen werden als Trost erlebt.“ Zimmermann ist die Leiterin des Projektes „Hospiz macht Schule“, bei dem es auch um Krankheit und Leid und den Umgang damit geht.

Das Thema gehört, wie Umbach und Zimmermann sagen, zum Elementarunterricht wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Doch im Werra-Meißner-Kreis fand erst einmal eine Projektwoche „Hospiz macht Schule“ rund um Tod und Trauer statt. Vor einem Jahr probierte das Team der in der Hospizarbeit engagierten und extra dafür vorbereiteten Ehrenamtlichen es an der Grundschule in Meißner-Abterode quasi aus.

Kreisweites Angebot ab 2018

Nun wird die Projektwoche für alle Grundschulen im Werra-Meißner-Kreis ab 2018 angeboten, kann ab sofort gebucht werden. Denn mit den anderen Hospizdiensten im Landkreis wird dabei zusammengearbeitet, gibt es mittlerweile einen Pool von Ehrenamtlichen, die besonders geschult sind.

„Kinder gehen mit Trauer ganz und gar anders um“, hat Martha Zimmermann festgestellt. Und auch, dass Kinder viele Fragen haben. „Sie stellen sie nur nicht – und oft werden die Themen in den Familien auch nicht angesprochen.“

In der Projektwoche wird den Kindern die Möglichkeit gegeben, über ihre Sorgen und Ängste zu reden. Dazu werden sogar Kleingruppen gebildet. Und alles Gesprochene bleibt in dieser Gruppe. Das sei den Kindern auch sehr wichtig gewesen, berichtet Zimmermann von ihren Erfahrungen in Abterode.

Ziel der Projektwoche, in der die Kinder frei sprechen, viel lesen und auch schreiben müssten, ist laut Umbach und Zimmermann, dass sie sich öffnen können, ihre Sorgen loswerden, ihre Ängste abbauen und Sachwissen bekommen. 

So läuft die Projektwoche ab

Die Projektwoche „Hospiz macht Schule“ dauert fünf Tage; täglich sind vier Unterrichtsstunden vorgesehen. Jeder Tag wird einem anderen Thema gewidmet: 

1. Tag Werden und Vergehen (Wandlungserfahrungen), 

2. Krankheit und Leid, 

3. Sterben und Tod, 

4. Traurig – Sein, 

5. Trost und Trösten. 

Es geht grundsätzlich auch darum zu vermitteln, dass Leben und Sterben miteinander untrennbar verbunden sind, heißt es in der Projektbeschreibung. Die Schwerpunkte werden den Grundschülern mit Geschichten, Bilderbüchern und Filmausschnitten nahe gebracht. 

Das Angebot ist kostenlos, wobei eine Spende angesichts der hohen Investitionskosten für Ausbildung und Materialien willkommen ist. 

Wichtig: Die Schule muss beim Hospizdienst anfragen. Das Projekt wird dann gern vorgestellt – in der Lehrerkonferenz ebenso wie bei einem Info-Abend für Eltern.

Kontakt:

Hospizdienst und Demenzbetreuung Bad Sooden-Allendorf, Tel. 0 56 52/30 42,

E-Mail: aumbach-hospiz@web.de